17. Juli 2020 | Interview

Beutlhauser und Mulag: Als Partner Hand in Hand

Interview mit Martin Foos, Vertriebsleiter Straßenunterhaltungsgeräte

Seit vielen Jahren arbeiten MULAG und Beutlhauser schon „Hand in Hand“. Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Beutlhauser?

Seit der Übernahme der Firma Bassewitz durch Beutlhauser wird eine intensive und engagierte Kooperation auf allen Ebenen gepflegt. Die enge Zusammenarbeit der Unimogverkäufer mit den Gebietsverkaufsleitern und Verkaufsförderern von MULAG bietet dem Kunden die bestmögliche Beratung bei Vorführungen und Verkauf. Bis hin zur professionellen Übergabe der Unimog mit Geräten, der Einweisung des Bedien- und Werkstattpersonals oder Nachschulung auf höchstem Niveau, arbeiten wir beispielhaft im Sinne des Kunden zusammen. Dies führt – gemeinsam mit der schnellen Reaktionszeit beim Service – zu den hohen Verkaufszahlen der vergangenen Jahre.

MULAG unterteilt sich in zwei Geschäftsbereiche: Flughafenfahrzeuge und Straßenunterhaltung. Können Sie uns einen kurzen Überblick über das Portfolio in der Straßenunterhaltung geben?

 MULAG baut Mähgeräte für den Straßenbetriebsdienst in unterschiedlichen Varianten. Über 80 Prozent der Straßenunterhaltungsgeräte werden am Unimog aufgebaut. Das Angebot umfasst Randstreifenmähgeräte mit oder ohne Leitpfostenausmähgeräten, Frontausleger und Frontkombinationen, sowie verschiedene Heckauslegermähgeräte mit oder ohne Aufnahme des Mähgutes. Zum Anbau an die Auslegersysteme steht eine große Palette von Arbeitsgeräten für unterschiedliche Aufgaben wie Mähen, Gehölzpflege, Bankett- und Randstreifenpflege, Wascharbeiten und Wasserwirtschaft zur Verfügung. Ein weiteres Segment sind die verschiedenen Tunnelwaschgeräte für Unimog und LKW mit entsprechendem Zubehör für die Tunnelunterhaltung.

MULAG ist zertifizierter Mercedes Benz Unimog ExpertPartner – warum sind die Produkte aus Ihrem Haus die perfekte Ergänzung für das Universalmotorgerät?

Unsere Kunden erwarten zurecht eine optimal abgestimmte Fahrzeug-Geräte-Kombination. Als Unimog ExpertPartner erfüllen wir sämtliche Forderungen von Mercedes-Benz in Bezug auf Qualifizierung in Technik, Qualität, Service und Vertrieb. Es findet eine enge Zusammenarbeit statt, die in optimal abgestimmten Produkten für den Unimog resultiert. Die Kunden haben dadurch die Sicherheit beim Kauf, dass alle Punkte technischer und verkehrsrechtlicher Art geprüft und freigegeben sind.

Seit Kurzem liest bzw. hört man überall vom neu entwickeltem MULAG-Grünpflegekopf ECO 1200 plus. Können Sie uns mehr dazu sagen? Was ist das Besondere daran bzw. was der Unterschied zum herkömmlichen Mähverfahren? 

Nicht zuletzt das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ führte zu einem Umdenken in der Grünpflege der Straßenbankette. Ziel ist es, extensive Flächen neben den Straßen besonders ökologisch zu pflegen. Bisher werden Böschungen meist einfach gemulcht, wobei das Mähgut am Boden liegen bleibt. Durch die rotierende Messerwelle wird eine starke Sogwirkung (Luftstrom) von vorne und von unten in dem Messerkopf erzeugt. Insekten, die in den Bereich des Luftstroms kommen, werden eingesaugt. Größere Lebewesen am Boden, welche dem Luftstrom entkommen, werden oft von den verwendeten breiten Abrollwalzen erdrückt. Durch den dicken Teppich von Mulchgut hat eine blütenreiche Vegetation nur geringe Wachstumsmöglichkeiten, sie wird regelrecht erstickt. Die ursprünglich ausgesäten Magerwiesen werden mit dem verrottenden Schnittgut (Nitrateintrag) zudem noch gedüngt. Mit der Entwicklung des Grünpflegekopf ECO 1200 puls wurde auf diese Punkte besonders Rücksicht genommen. Vorne am Grünpflegekopf ist eine verstellbare Aufscheuchvorrichtung montiert. Sie regt im Gras sitzende Lebewesen wie Libellen, Schmetterlinge oder Bienen an, weit vor dem Messerkopf wegzufliegen. Diese Aufscheuchvorrichtung schüttelt auch den Samen von blühenden Pflanzen ab. Generell wird sich die Schnitthöhe verändern. Waren bisher 4 bis 8 cm die Vorgabe, werden wir in Zukunft 10 bis 15 cm hoch mähen, was ökologisch verträglicher ist und am Boden befindlichen Lebewesen einen größeren Schutzraum vor und unter dem Messerkopf gibt. Durch das weiterentwickelte Scheibenmähprinzip ergibt sich eine wesentlich geringere Angriffsfläche der Schneidwerkzeuge. Diese ist ca. 50 Prozent kleiner als beim herkömmlichen Mulchprinzip. So erzeugt das neue Mähverfahren so gut wie keinen Luftstrom von vorne. Der Grünpflegekopf ECO 1200 ist unten weitestgehend geschlossen, damit entsteht auch keine Sogwirkung auf den Boden. Kleinlebewesen werden also nicht mehr von vorne und nicht mehr von unten eingesaugt. Der wichtige Samen der blühenden Pflanzen bleibt ebenfalls am Boden liegen und kann wieder neue Pflanzen hervorbringen. Um die Lebewesen am Boden und den Samen nicht zu verletzen, wurde auch eine neue Art der Abtastung des Bodens entwickelt. Die bisherigen durchgängigen Abrollwalzen werden durch zwei schmale Tastrollen ersetzt. Diese liegen nur links und rechts am Boden auf und sind miteinander über eine schmale Welle verbunden. Die Bodenkontaktfläche wird so auf circa. 1 /10 reduziert. Dadurch schützen wir die am Boden lebenden Tiere und Samen. Damit die Magerwiesen zu einer blühenden Zone für verschiedene Pflanzen werden können, muss das Mähgut abtransportiert werden. Beim Grünpflegekopf fördert das Schneidwerk das Gras zur Mitte des Mähkopfes, die Aufnahme erfolgt über ein Radialgebläse zum Anhänger. Damit ist ein wirtschaftliches und zügiges Arbeiten sichergestellt, da alles in einer Fahrt erledigt werden kann.

Wird MULAG die sogenannte Natur- schonende Mähmethode erweitern?

Mit dem neuen Grünpflegekopf ECO 1200 plus werden die ökologischen Anforderungen in einen praxisnahen, effizienten Prozess überführt mit einem entscheidenden Beitrag bei der insekten- und pflanzenschonenden Pflege des Straßenbegleitgrüns. Selbstverständlich gehen die Entwicklungen dafür weiter, es sind auch weitere Produkte in diesem Bereich denkbar.

Spielt Digitalisierung bei Ihnen eine  Rolle?

Die Digitalisierung schreitet auch bei der Mähtechnologie weiter voran. Datentransfer vom Mähgerät zum Betreiber, die automatische Steuerung der Mähgeräte und digital verfügbare Serviceinformationen für die Werkstatt erleichtern die Planung und Durchführung von Mäharbeiten. Zukünftig kann die Werkstatt den Betreiber eines Gerätes rechtzeitig informieren, bevor ein Service oder ein Teiletausch ansteht. Mit der Online-Plattform m|connect können Kunden und Werkstatt Betriebsanleitungen, Ersatzteillisten, Arbeitsanweisungen und Schaltpläne für ihre Geräte einsehen und herunterladen, sowie rund um die Uhr Ersatzteilbestellungen anbieten lassen und beauftragen.